„HitStory Special“ über Keb‘ Mo‘, der dem Bluesmusiker B.B. King musikalisch huldigt

Die „HitStory“ ist zurück für eine weitere „Spezial“-Ausgabe bei radio aktiv: Dewezet-Redakteur und Autor Jens F. Meyer spricht und schreibt über Keb‘ Mo‘ – und B.B. King.

King unter Königen („Riley B. King“ – Keb‘ Mo‘)

 Cool, Mann! Im Vorprogramm von Tina Turner nur mit Gitarre zu sitzen, nicht einsam, aber allein auf einer noch kahlen Bühne, vor dem Vorhang für die große Show, dafür braucht’s Nerven wie Drahtseile. Wir schreiben die Neunzigerjahre. Ausverkaufte Messehalle 2 in Hannover. Mit jeder Minute werden die „Tina Tina“-Rufe lauter, jedoch: Kevin Moore alias Keb‘ Mo‘ lässt sich nicht beirren. Pfiffe im weiten Rund, die Ungeduld wächst. Nur einer bleibt ruhig, der, dem der Spott gilt. Was er sagt? „This reaction is better than no reaction. The next song.“ – Das ist Chuzpe! Keb‘, der Unbeirrbare.

Es war die erste Begegnung mit ihm, seither begegne ich ihm immer wieder, und dies ausdrücklich, weil er so gut wie nie im Radio gespielt wird. Ich bin also gezwungen, Kebs Longplayer aus der Plattensammlung zu fummeln. So huldige ich dem Blues. Und er huldigt ihm auch, indem er ihn spielt. Hätte er damals, auf Europa-Tour mit Tina, schon „Riley B. King“ bringen können, wären die Pfiffe den Pfeifenden im Halse steckengeblieben, aber Kollege Robben Ford hatte den Song da noch nicht geschrieben.

Ein Lobgesang reinsten Wassers auf Blues-König B.B. King, eine Ode an den Frieden und die Freiheit, die King jedem Zuhörer zu vermitteln versuchte. Ich tauche in dieses Lied ein wie in warmes Badewasser an einem winterkalten Februartag, und das Lyrische darin ist größer, viel größer, als man es beim ersten Zuhören vermuten mag.

„By the light of the moon

Over the ocean

Riley B. King

Is the king of the emotions.“

 Ein König der Gefühle ist B.B.King freilich nicht allein, sondern Keb‘ Mo‘ ebenso, weil er diesen Song so performed, wie es kein anderer zu tun vermag. Weil er fühlt, was er singt, weil er mit Herz musiziert und nicht nach Noten. Und er zwängt sich nicht in den Vordergrund, sondern gibt mir das Gefühl, dass es hier allein um King und seine Lucille geht. Keb‘ Mo‘ ist deshalb auch ein King, ein König unter Königen. Er spielt das Lied nicht allein, auch Robben Ford und Robert Cray, dessen feines Gitarrenspiel ich unter Hunderten heraushören würde und zu dem ich im Laufe der Zeit hier noch kommen werde, adeln das Gesamtkunstwerk mit perlendem Saitenspiel.

Es ist ein Fest für die Ohren und müsste jedes Herz mit Wärme füllen. Aber viele Herzen bleiben kalt in dieser Zeit und geben mir wenig Anlass auf Hoffnung für die Welt. Kein Frieden, ohne dass wir ihn nicht selber in uns tragen. Immer wenn ich das merke, ist der Moment für diesen Song gekommen.

Jens F. Meyer




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